14. Februar, 21.02 Uhr
Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen und ließ den Zettel unauffällig in meiner Hand verschwinden. Betont entspannt setzte ich mich auf meinen Stuhl, spürte mein Herz hart im Hals klopfen. In meiner kurzen Abwesenheit wurde offensichtlich das Dessert serviert: eine luftige, weiße Johannisbeermousse an Vanilleparfait, das bereits zu schmelzen begann. Es sah köstlich aus, aber das war jetzt Nebensache – der Nachtisch musste warten.
Ich atmete tief ein, faltete mit schwitzigen Fingern den Zettel unter dem Tisch auseinander und fühlte mich schlagartig in die Zeit meiner pubertären Schultage zurückversetzt. In freudiger Erwartung lehnte ich mich ein wenig zurück und richtete meinen Blick hinab auf das Papier. In kleiner, aufrechter Handschrift stand da: “Ich warte in der MObar auf dich”. Oh, die Hotelbar! Das ist sehr “Pretty Woman”… ob Rob schon am Flügel sitzt, seine Finger über die Tasten gleiten lässt und alle anderen Gäste aus der Bar vertreibt, sobald ich mich zu ihm setze? Ohhhh, eine sehr heiße Vorstellung.
Um nicht unhöflich zu sein – und weil ich Süßem einfach nicht widerstehen kann – nahm ich hektisch einige Löffel des cremigen Parfaits, bevor ich mich bei meinen Sitznachbarn entschuldigte und mich vom Tisch erhob. Während ich meinen Dessertteller halb ungegessen zurückließ, hatte mein nerdiger Comic-Krawatten-Sitznachbar seine Portion noch überhaupt nicht angerührt. Erst jetzt fiel mir auf, dass er schon seit einiger Zeit nicht mehr neben mir saß. Vielleicht hatte er an einem anderen Tisch jemanden gefunden, mit dem er besser über Linux Netzwerke sprechen konnte, als mit mir?
Ich klemmte mir meine schmale Clutch unter den Arm und ging zielstrebig zu den Fahrstühlen. Als die Aufzugtür hinter mir schloss, nutzte ich die Fahrt in den 35. Stock, um meinen Lippenstift nachzuziehen und mit zwei beherzten Handgriffen meine Brüste im Kleid zu richten. Ähm, sind Hotelfahrstühle kameraüberwacht? Ich schielte in die Ecken des Fahrstuhls, konnte aber keine verräterische Linse entdecken.
Ich betrat die MObar und war angenehm überrascht von der geschmackvollen Einrichtung: braune Lederstühle, eine warme, sexy Athmosphäre durch orientalische Dekoration, dunkelrote Wände und zarte goldene Vorhänge. Wunderschön. Eine junge, schwarzhaarige Frau in einem asiatisch geschnittenen Seitentop begrüßte mich.
“Ich darf Ihnen von einem Herrn ausrichten, dass Sie bitte einen Moment an der Bar Platz nehmen mögen”, flüsterte sie mir zu und zwinkerte wissend.
“Ähm ok, vielen Dank”, es war mir etwas peinlich, dass Rob offenbar das Personal eingeweiht hatte.
Ich platzierte mich mit aufrechtem Rücken und sexy überschlagenen Beinen auf einem der wenigen freien Lederstühle am langen Thresen und bestellte einen Cocktail von der Karte: einen “Mandarin Sunset”. Ich war nervös, wippte mit dem Fuß und bemerkte, wie ich an meinem Daumennagel kaute. Nicht gut! Nicht sexy! Ein bisschen Nervennahrung würde helfen! Also ließ ich mir ein Schälchen mit salzigen Erdnüssen bringen, warf mir einige davon in den Mund, kaute angespannt, wippte schneller mit dem Fuß.
Endlich spürte ich, dass jemand hinter mir stand. Ich hörte eine bekannte Männerstimme sagen: “Wie schön, dass du hergekommen bist!”





August 3rd, 2009 am 10:14
[...] … ist jetzt erstmal vorbei! Hier endlich ein frisches Kapitel “14. Februar, 21.02 Uhr” [...]
August 17th, 2009 am 13:01
Na endlich gibt´s wieder was zu lesen. Wird ja richtig spannend. B.